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Schnelles Bauen mit recyceltem Bauschutt

Die Innovation

Der Recyclingstein RE.CK wurde von Alfons Schwiderski seit Mai 2024 speziell für den Einsatz in Wiederaufbaukontexten, z.B. im Mittleren Osten entwickelt, mit dem Ziel, die Herstellung auf dort bereits vorhandenen Maschinen zu ermöglichen.

Das Steinformat folgt einem bewusst einfachen Nut‑und‑Feder‑Design, das Querbewegungen der Wand verhindert, eine kontrollierte Längsverschiebbarkeit zulässt und damit insbesondere in Erdbebengebieten Vorteile bietet, weil Bewegungsfugen Kräfte aufnehmen und Schäden reduzieren helfen.

Mit rund 11 kg ist der Stein so dimensioniert, dass er im Notfall von Hand bewegt und verbaut werden kann, gleichzeitig aber für serielle, maschinelle Produktion optimiert ist. Ein zentrales Entwurfskriterium ist der Verzicht auf Mörtel: Die Tragfähigkeit der Wände ergibt sich aus Eigengewicht, vertikalen Lasten und Reibung, sodass auch angelernte Arbeitskräfte ohne spezialisierte Maurerqualifikation bauen können und Gebäude später demontierbar bleiben (Cradle-to-Cradle-Prinzip).

Erfinder Alfons Schwiderski und Bauzeichner Omar Halima mit dem RE.CK Prototyp

Recycelt bis zu 100%

Materialseitig verfolgt RE.CK das Ziel, Sand und Kies vollständig durch recycelten Bauschutt zu ersetzen und den Zementanteil perspektivisch stark zu reduzieren oder durch alternative Bindemittel wie Tone und Aschen zu ersetzen.

Der aktuelle Entwicklungsstand liegt bei einer Rezeptur mit etwa 3% Zementanteil, die bereits eine praxistaugliche Aushärtung erlaubt und eine solide Basis für die Weiterentwicklung hin zu nahezu zementfreien Systemen bildet.

Die Weiterentwicklung des RE.CK‑Systems (Rezepturen, Bindemittel, Stein-Geometrien, Produktionsprozesse) erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen SQUARES for Tomorrow, Robins Places, Polycare, STUDIO | Hammer | Schwiderski und wissenschaftlichen Partnern (z. B. IAB Weimar und University of Aleppo). Geplant sind iterative Testzyklen mit Labor- und Feldversuchen, um die RE.CK‑Steine auf lokale Rohstoffe, Klima- und Normbedingungen anzupassen und nahezu zementfreie Lösungen zu realisieren.

Feldstudien

Im Mai und November 2025 sowie im Juni 2026 konnte sich Alfons Schwiderski zusammen mit seinem syrisch stämmigen Mitarbeiter Omar Halima vor Ort einen immanenten Eindruck über den Wiederaufbaubedarf verschaffen, insbesondere in Aleppo.

Ein hoher Anteil der Gebäude ist beschädigt oder unbewohnbar, Stadtviertel bestehen aus Trümmerlandschaften. Klassische, stark zementbasierte Bauweisen stoßen hier an Grenzen: Zement und Zuschlagstoffe sind teuer, knapp und oft nur über unsichere Importwege verfügbar; Transportkosten und -risiken treiben die Baukosten zusätzlich.

Es entsteht ein klarer Bedarf an lokal produzierbaren, ressourceneffizienten Baustoffen, die vorhandene Trümmer als Rohstoff nutzen und unabhängig von fragilen Importketten funktionieren.

Mehr Informationen zum RE.CK und den Reisen nach Syrien auf der Website der Robins Places, unsere gemeinnützige Partnerorganisation >>

Omar Halima im Interview mit der Deutschen Welle in Aleppo

Fertigung

Die Entwicklungsziele des RE.CK-Systems wurden bewusst an den im Mittleren Osten bereits verbreiteten Praktiken des Bauschuttrecyclings ausgerichtet. In Syrien und den Nachbarländern liegen umfangreiche Erfahrungen mit nicht tragenden Recyclingbaustoffen und Hohlblocksteinen vor, die mit Mörtel vermauert werden; tragende, massive Recyclingsteine ohne Mörtel und Bewehrung sind hingegen bislang nicht etabliert.

RE.CK schließt diese Lücke, indem es auf vorhandenes lokales Know-how, bestehende Maschinenparks und Recyclingprozesse aufsetzt, diese aber in Richtung tragender, kreislauforientierter Mauerwerkssysteme weiterentwickelt.

Ressourcenschonend Bauen vor Ort

Das RE.CK-System nutzt lokal verfügbaren Trümmerschutt als Hauptrohstoff, reduziert den Einsatz konventioneller Zementmengen durch ressourceneffiziente Bindemittel wie Flugasche und senkt dadurch CO₂-Emissionen und Materialkosten. Durch dezentrale Vor-Ort-Produktion entstehen Arbeitsplätze in Trümmeraufbereitung, Produktion, Logistik und Bauhandwerk, und Syrien – insbesondere Aleppo – wird zu einem attraktiven Modell- und Referenzmarkt für ein tragendes, mörtelloses, kreislauforientiertes Mauerwerksystem.

Ausblick:

In den Mikrofabriken von RE.CK sollen Trümmer perspektivisch mit Hilfe einer KI‑Plattform zu sicheren Bausteinen verarbeitet werden: Lokale Teams erfassen einfache Messdaten, die KI berechnet daraus standortspezifische Mischungen und Ziel‑Druckfestigkeiten und überwacht die Qualität jeder Charge. So entsteht ein lernendes Produktionssystem, das aus schwierigem Ausgangsmaterial verlässliche Baustoffe für den Wiederaufbau erzeugt und Menschen vor Ort in KI‑gestützte Wertschöpfung einbindet. An dieser Produktion 2.0 erarbeiten wir derzeit die Konzeption.

Wir freuen uns über Fragen zum RE.CK und/oder unserer Entwicklungsarbeit